Die Sankt-Moritz Kirche zu Taucha

Zur Geschichte

Um 1170 soll der Burgort Cothug als Stadt im Rechtssinne durch Erzbischof Wichmann von Magdeburg nach Magdeburger Stadtrecht gegründet worden sein. 1220 wird auf dem Burgberg unter Erzbischof Albrecht von Magdeburg eine steinerne Burg errichtet. Sein Nachfolger lässt die Stadt mit einer Mauer umgeben mit zunächst 3 Stadttoren.

Zwischen 1220 und 1250 entstand in unmittelbarer Nähe des Marktes die erste steinerne Stadtkirche, welche dem Heiligen Mauricius, dem Schutzheiligen von Stadt und Erzstift Magdeburg, geweiht war. Sie hieß von nun an St. Moritz Kirche.

Der älteste Bau der Stadtkirche soll noch romanischen Ursprungs gewesen sein. Andere Vermutungen sprechen von einer kleinen gotischen Kirche.

Das Kirchengebäude genügte bald den Anforderungen nicht mehr. Es war zu klein und im Innern zu dunkel. Der Erweiterung waren jedoch zunächst noch Grenzen gesetzt, da der Kirchhof (Friedhof) das Gebäude umschloss. Erst als der Tauchaer Bürger Amandus Küster 1594 der Kirche ein Stück Feld außerhalb des Eilenburger Tores schenkte, konnte der Friedhof nach und nach dorthin verlegt werden. Dadurch entstand zwischen 1600 und 1603 die Möglichkeit, die Kirche entsprechend den Erfordernissen umzubauen. Dabei blieben die inneren Pfeiler und der Turm stehen. Das Kirchendach, die äußeren Pfeiler, die hölzerne Decke und die Umfassungsmauern wurden neu errichtet.

Während die Kirche beim Stadtbrand vom 12. Juli 1682 fast verschont blieb, führte der „Große Stadtbrand“ vom 9. Juli 1768 zur fast vollständigen Zerstörung. Ab 19. Oktober 1772 begann der Wiederaufbau, veranlasst durch die Stadt Leipzig als Stadtherrn von Taucha und Kirchenpatron der St. Moritz Kirche. Am 2. Dezember 1772 fand die feierliche Grundsteinlegung in Anwesenheit des Leipziger Bürgermeisters Dr. Heinrich Born und mehrerer Leipziger Senatoren statt.

Neben einigen Münzen wurde eine in lateinischer Sprache verfasste Urkunde über die Umstände des Brandes und des Wiederaufbaus in den Baugrund des Kirchturms versenkt. Finanziert hat man den Bau unter anderem durch eine vom Kurfürsten genehmigte Sammlung in den Kirchenbezirken Leipzig, Chemnitz, Freiberg und Plauen, die eine Summe von 2.000 Talern ergab. Außerdem spendeten die „Glieder der Parochie Taucha“ ziemlich hohe Summen. Für den Transport des Bauholzes mussten laut kurfürstlicher Anordnung keinerlei Abgaben geleistet werden. Diesen übernahmen Bauern aus Taucha und Umgebung umsonst.
Am 25. September 1774 fand die feierliche Einweihung statt.
Die Kirche war als große barocke Hallenkirche wiedererstanden, mit einer zweigeschossigen Empore, mit zwei „Herrschaftsstuben“ neben dem Altar und dahinterliegenden Sakristeien sowie einem ansehnlichen Kanzelaufbau über dem Altar. In der Zeit des Wiederaufbaus fand der Gottesdienst im „Großen Saal“ des Tauchaer Schlosses statt.

1795 schenkte der Rat der Stadt Leipzig der Tauchaer Kirche eine Orgel, deren Teile größtenteils aus der Leipziger Nikolaikirche stammten. Fehlende Teile ergänzte der Orgelbauer Johann Gottfried Trampeli aus Adorf im Vogtland.

1859 erfolgte eine Generalreparatur dieser Orgel durch den Orgelbaumeister Nikolaus Schrickel aus Eilenburg.

Am 22. Mai 1911 begannen dringend notwendige Erneuerungsarbeiten im Inneren der Kirche. Auch die alte Orgel wurde dabei abgebrochen und der Chorplatz erweitert. Im Zuge der Bauarbeiten erneuerte man das Gestühl und baute teilweise eine Heizung ein.
Während der Bauzeit fand der Gottesdienst in der Aula der damaligen Volksschule (heute Gymnasium) statt. Für Kindtaufen stand der neben der Kirche liegende Kindergarten bereit.
Am 10. Dezember 1911 konnte die nach den Plänen des Architekten Baurat Julius Zeißig im Innern neugestaltete Kirche nebst der von Baumeister Ferdinand Sperling gestifteten und von Orgelbaumeister Eduard Beyer erbauten Orgel neu geweiht werden.

Zwischen 1980 und 1983 wurde das Dach der Kirche neu gedeckt, in den Folgejahren wurde der Innenraum renoviert, später erfolgte die Sanierung der Fassade.

Schließlich bekam die Kirche 1996 dank hochherziger Spenden aus der Gemeinde und mit der Gemeinde verbundener Personen eine zweimanualige mit 18 Registern und 1200 Pfeifen ausgestattete Orgel.

Dr. Klaus Gilardon

Die Glocken

Bei der Zerstörung der St. Moritz Kirche durch den verheerenden Stadtbrand vom Juli 1768 schmolzen auch die Glocken zusammen, welche für den Neubau der Kirche ersetzt werden mussten.

Schon 1768 wurde durch den Leipziger Glockengießer Andreas Berger eine kleine Glocke, die sogenannte „Viertelglocke“ gegossen. Diese hängte man in einem auf dem Marktplatz errichteten Holzgestell auf. Damit wurden die Gläubigen zum Gottesdienst in den Festsaal des Schlosses gerufen.

1780 erhielt die Kirche zwei neue Glocken, ebenfalls gegossen vom Glockengießer Andreas Berger nach mehreren Fehlversuchen. Die „Viertelglocke“ wurde erst 1795 im Turm aufgehängt.

1874 ersetzte man die zwei großen Glocken durch ein neues Geläut von drei Glocken, die im Oktober des genannten Jahres geweiht wurden.

Am 8. Juli 1917 läuteten die große und die kleine Glocke des Geläutes zum letzten Mal. Sie wurden kurze Zeit später abgenommen, um als Rohstofflieferant für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen zu werden.

Um die finanziellen Möglichkeiten für die Beschaffung neuer Glocken zu erweitern, schuf man nach Ende des 1. Weltkrieges einen „Tauchaer Glockenfonds“, in den sowohl Spenden, als auch Einnahmen des Freiwilligen Kirchenchores flossen. Im Ergebnis dieser gebündelten Anstrengungen konnten schließlich 1926 drei Stahlglocken geweiht werden.

Am 13.3.1942 beschlagnahmte man zwei dieser Glocken und veranlasste die Abnahme. Diese Glocken landeten auf dem sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg. Ob sie nach Kriegsende noch dort vorhanden waren und den Weg zurück nach Taucha nahmen, ist bis jetzt noch nicht ganz geklärt. Jedenfalls zogen in der 2. Hälfte der fünfziger Jahre die Tauchaer Handwerksmeister Lischetzke und Aßmann mit einem privaten Flaschenzug 2 Glocken am Turm hoch, wo sie bis heute ihren Platz haben.

Dr. Klaus Gilardon

Die Orgeln

1580
Johann Nicolaus Sergius erhält fur sein OrgelspIel 7 Gulden und 9 Groschen Jahreslohn,
der Calcant (Blasebalgtreter) 1 Gulden 9 Groschen
1583
existiert eine Orgel mit 13 Registern, die sicherlich schon längere Zeit aufgestellt war, denn sie wird vom Orgelbauer Bartel Zenker aus Eilenburg durchgesehen und repariert.
1679
wird diese Orgel fur 200 Gulden umgearbeitet und mit einem neuen Gehäuse versehen durch Orgelbauer Donat, Leipzig
1768
fällt auch die Kirche dem großen Stadtbrand zum Opfer; von der Orgel können lediglich 15 Zinnpfeifen gerettet werden; danach finden die Gottesdienste im Saal des Schlosses statt, wobei zur musikalichen Gestaltung ein Positiv aufgestellt wird.
1772/1774
Neubau der St. Moritz Kirche, Einweihungsgottesdienst am 25.September 1774 mit dem Orgelpositiv des Schlosssaales
1796
Einbau des Haupt- und Brustwerkes der Orgel aus der Leipziger Nikolaikirche durch Christian Wilhelm Trampeli, einern Werk von Zacharias Thayßner aus Merseburg von 1593/94
2 Manuale, 22 Register
die Kosten trägt der Rat der Stadt Leipzig
1859
Umbau der Thayßner/Trampeli Orgel durch Orgelbauer Nicolaus Schrickel, Eilenburg, der einem „inneren Neuaufbau“ entspricht, 2 Manuale, 18 Register
Preis: 975 Tale
1911
Neubau einer Orgel durch die Orgelbaufirma Beyer, Magdeburg, nach einern Dispositionsentwurf des damaligen Thomasorganisten Karl Straube
2 Manuale, 34 Register Preis: 12.805 Mark
1964
aus noch iverwendungsfählgem Material baut der Tauchaer Kantor Hans Schurlcht ein Interimsinstrument, das bis zur Erstellung einer neuen Orgel verwendet werden soll
I Manual, 6 Register
1956
orgel200 Jahre nach Aufstellung der ersten Orgel in der 1774 errichteten Kirche Weihe der 1974 erbauten Ismayr Orgel (bisher in einer Nürnberger Kirche) nach Umbau des Gehäuses und modifizierter Intonation durch Orgelbaufirma Eule, Bautzen
2 Manuale, 18 Register, 1200 Pfeifen
Preis: 200.000 DM